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Verrückt oder genial

09.11.2009 | 4 Kommentare

Manche Menschen verfolgen ein Leben lang mit großer Vehemenz eine fixe Idee ohne wirkliche Aussicht auf Erfolg. Andere streben mit aller Macht nach Erfüllung ihrer scheinbar unmöglichen Träume. Sie sind in den Augen vieler Zeitgenossen schlicht verrückt. Viele belächeln diese Menschen. Ich verspüre mitunter eine gewisse Zuneigung. Was immer diese Menschen antreibt, es trägt den Keim von etwas Großem in sich. Und es rührt mitunter das Herz, wenn wir sehen, mit wie viel persönlichem Verzicht das Verfolgen solch großer - für uns irrealer - Ziele verbunden ist.Andererseits gibt es höchst erfolgreiche Firmen, die viel Geld für Mitarbeiter ausgeben, die nur verrückte Ideen für übersättigte Märkte entwickeln. Wir sehen, verrückt ist nicht gleich verrückt.

Zu seiner Zeit galt der Gründer von Raiffeisen sicher vielen Menschen als Verrückter. Er gründete eine Bank in Zeit höchster Not, machte Kunden zu Besitzern und verlangte von jedem Engagement für die Gemeinschaft. An einen Erfolg glaubten wenige. Wem gehört Raiffeisen heute, fragen die Menschen immer wieder. Die Antwort ist ganz einfach. Sie gehört den Kunden. Keinem Großinvestor, sondern dem Nachbarn, der ein Konto bei der Bank seines Vertrauens hat. Eigentlich verrückt. Und jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig vom Vermögen. Klingt auch verrückt. Aber es ist das Genossenschaftsprinzip, das so erfolgreich für die Gemeinschaft arbeitet. Raiffeisen sorgt damit seit über 140 Jahren für wesentliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Impulse.
Ich lerne daraus: Es ist gut, wenn wir manchmal aus unserem Alltagsdenken ausbrechen und ungewöhnliche Sichtweisen zulassen.

Wer heute nicht mit einem offenen Geist am Dialog über die großen Zukunftsfragen teilnimmt, verschenkt die große Chance, den Weg dieses Landes für das nächste Jahrzehnt mit zu gestalten. Wie wir als Gesellschaft die Balance zwischen individueller Freiheit und Sicherheit finden, wie wir zwischen Selbstentfaltung und Gemeinwohl einen Ausgleich schaffen, darauf müssen wir Antworten finden. Es sind die großen Fragen der Zeit. Reden wir mal darüber. Oder besser gesagt, bloggen wir mal …

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4 Kommentare

  1. Antwort zu Kommentar von nyse vom 13.11.2009:

    Nicht zuletzt über die Unterstützungsprogramme des Staates sind die österreichischen Banken recht solide aufgestellt. Übrigens: Die Programme für die Banken haben nur ganz unwesentlich zur stark zunehmenden Staatsverschuldung beigetragen.

    Dafür sind vielmehr die sonstigen Wirtschaftsprogramme verantwortlich, die sinnvoll, notwendig und richtig sind und waren.

    Sehr schwierig ist die Situation rund um die Hypo-Alpe-Adria. Ich bin mir aber sicher, dass hier kein Einleger/Anleger, zu Schaden kommen wird.

  2. Antwort zum Kommentar von nyse vom 10.11.2009:

    Vielen Dank für Ihr Feedback - entschuldigen Sie bitte die verspätete Stellungnahme.

    Bank ist nicht gleich Bank. Es gibt die internationalen Investmenthäuser, die zwar nicht auf den Click Geld machen, aber dennoch verschiedenste Finanzinstrumente in den letzten Jahren entwickelt haben, die dazu geführt haben, dass die Finanzwirtschaft sich von der Realwirtschaft abgekoppelt hat. Das finden wir - und finde auch ich persönlich - nicht gut und wir sind alle gut beraten, wenn es hier über entsprechende neue rechtliche Rahmenbedingungen zu klaren Regelungen kommt.

    Wir Regionalbanken und damit auch wir Raiffeisenbanken verfolgen ein ganz anderes Geschäftsmodell. Uns geht es wirklich darum, die regionale Struktur und Entwicklung zu fördern. Wir sind als Raiffeisenbanken vor weit mehr als 100 Jahren gegründet worden - damals in einer Notsituation - und haben ganz wesentlich zum Aufbau unserer Wirtschaftsregion beigetragen.

    Wir agieren als Bank mit dem primären Ziel, die Menschen, die hier leben und arbeiten, und die Unternehmen, die hier agieren, zu unterstützen und damit für eine entsprechende Entwicklung unseres Lebensraumes beizutragen.

    Die von unseren Kunden uns anvertrauten Spareinlagen verwenden wir für die Finanzierung unserer privaten Haushalte und der Unternehmen in Vorarlberg. Unsere Einleger können sozusagen selbst mitverfolgen, was mit ihrem Geld passiert, indem sie das damit finanzierte Haus des Nachbarn oder das Unternehmen Ihres Arbeitgebers be(ob)achten.

  3. nyse

    3 österreichische Banken drohen zu verschwinden.
    (presse.com) - ist es schon so weit, Herr Bankfachmann?

  4. nyse

    Lieber Herr Hopfner,
    das mit den “sie gehört den Kunden” - Die Raiffeisen -
    nehm`ich Ihnen nicht ab. Die Struktur ist zu komplex, um dies
    einfach in dieser Art darzustellen.
    Im Grunde genommen sind alle Banken gleich :
    Erzeugen aus nichts und click GELD :
    Davon einen Teil zurück zur Nationalbank, der Rest wird
    schon irgengenwie durch Kredite anderer GELDKLICKERZEUGER
    wieder reinkommen. Ein Pyramidenspiel in Extremform!!!
    Mal ganz ehrlich…. wie lange soll das ganze Theater weltweit
    noch so weitergehen? Schon die Friseurinnen und Taxifahrer
    reden nur noch über das Finanzchaos und dessen Ende.
    .. oder sind sie sich in Ihrer “Arche BANK” nur allzu sicher?
    Die Titanic war auch unsinkbar…

    Für eine kurze Stellungnahme eines Menschen der Hochfinanz wäre
    ich sehr dankbar. Leserbrief in den VN bleibt eine Option.

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